Historie


Vereinsgründung:

In Gerstetten bestand in den Jahren 1950-1960 eine Reitergruppe, die aus der Landjugend hervorgegangen war. Als Traktoren die Pferde als Zugtiere aus der Landwirtschaft verdrängten, wurde dieser Gruppe bis auf wenige Ausnahmen die Existenzgrundlage entzogen. Mitte der 60er Jahre konnten sich auch Pferdebegeisterte die nicht aus der Landwirtschaft kamen, dank guter wirtschaftlicher Entwicklung im Ländle, ein Pferd leisten. Dazu zählten auch Gerhard Maier und Günter Deichsel, die zu dieser Zeit die ersten Reitponys direkt aus Island auf die Gerstetter Alb importierten.
Hier erwachte der Gedanke, sich mit den restlichen Pferdefreunden der Landjugend erneut zusammen zu schließen. Nach erfolgreichen Sondierungsgesprächen Ende 1969 lud der Gründungsausschuss am 13.2.1970 in den Rößle-Saal und entwickelte vor gut 60 Gästen seine Vorstellungen. Dem Gründungsausschuss-Vorsitzenden Günter Deichsel ging es vor allem um eine breite Gebrauchsreiterei als einen Volkssport für jedermann. Die Resonanz übertraf die kühnsten Erwartungen – 44 Gäste sicherten ihre Mitgliedschaft zu. Zwei Wochen später erfolge wiederum im Rößle-Saal die 1. Mitgliederversammlung des Vereins.

In geheimer, schriftlicher Wahl wurden gewählt:
1. Vorsitzender: Günter Deichsel
2. Vorsitzender: Heiner Witzgall
Schriftführer: Ulrich Bischoff
Kassierer: Eugen Längst
Die Vereinsbeiträge wurden wie folgt festgelegt:
Erwachsene DM 25,-
Jugendliche DM 12,-
Ehepartner, Zweitmitglieder DM 15,-
Kinder DM 6,-

Der Reit- und Fahrverein Gerstetten – Alb war gegründet und hatte zu diesem Zeitpunkt schon 84 Mitglieder. Geritten wurde zunächst auf einer Heidefläche nahe dem Neuburghof. Mit dem Gründungsmitglied Karl Rau, einem Kavalleristen und Beschlagmeister, hatte der Verein auch gleich den erfahrenen Reitlehrer zur Seite.
Doch schon bald dachte man, dank der erfreulichen Entwicklung der Mitgliederzahlen über den Bau einer witterungsunabhängigen Reitmöglichkeit nach.


Bau der Reitanlagen

Heftig wurde darüber debattiert ob eine kostengünstigere Interimslösung angestrebt wird oder gleich die Endlösung realisiert werden soll. Die zu schultern schien doch etlichen Mitgliedern von Vorstand und Ausschuss zu riskant. Doch die Mitglieder waren bereit viel zu leisten und von außen konnten wir auch auf Unterstützung hoffen. Die Gemeinde stellte das Bauholz aus dem Gemeindewald und das erforderliche Grundstück in Erbpacht. Die Aktiven sattelten vom Reit- zum Arbeitsverein um. Finanziert wurde mit Spenden der Mitglieder (Bausteinaktion), mit zinslosen Darlehen der Mitglieder und sehr intensiven Alteisensammlungen. Die Baufirma Jooß verhielt sich bei den umfangreichen Erdarbeiten unserem Verein gegenüber ebenfalls großzügig. Im Frühjahr 1972 wurde der Grundstein für die Halle mit den Turniermaßen 20 x 40 m, einem Stall für 10 Pferde und ein Reiterstüble gelegt. Die Eigenleistungen waren vielfältig. Auch eher seltene Arbeiten, wie Zuschneiden des Gesamten Bauholzes im Sägewerk Berger, das Biegen und Flechten von Baustahl für die schweren Fundamentsockel, die die Leimbinder aufnehmen sollten. Elektro- und die Wasserleitungsinstallation gehörte ebenfalls dazu, wie der gesamte Innenausbau des Reiterstübles mit den sanitären Anlagen. Zur Versorgung mußte je eine ca. 600 m lange Wasserleitung und ein Stromkabel gleicher Dimension im Erdreich verlegt werden. Am 4. Oktober 1972 konnten 33 Monate nach Vereinsgründung die Pferde erstmals in die neue Halle einreiten. 1973 konnte der 1. Abschnitt des Stalls von 8 Pferden bezogen werden und im Reiterstüble war nun endlich die ersehnte Geselligkeit nach harten Arbeitseinsatz angesagt. Die Außenplätze wurden 1975 fertiggestellt und mit dem 1. Gerstetter Reitturnier eingeweiht. Der 2. Stallabschnitt für weitere 12 Pferde wurde 1977 unter der Regie von Heiner Witzgall, der nun dem Verein vorstand, errichtet.


Die Brandkatastrophe

Am 21 August 1991, einem heißen Sommertag, wurde der Stall und ein Großteil der Halle durch einen Brand, der im Heu- und Strohlager ausgebrochen war, zerstört. Die Ursache konnte nicht geklärt werden. Glücklicherweise konnte durch beherztes Eingreifen des Stallmeisters und von Passanten, alle Pferde gerettet werden. Doch nach Reitsport war niemand mehr zu Mute und mangels Halle und Stall auch gar nicht mehr möglich. Schmerzlich auch, dass uns einige Mit-glieder mit ihren Pferden in Richtung anderer Vereine verlassen haben. Zu allem Übel wurde jetzt auch noch der Standort in Frage gestellt, weil durch rege Bautätigkeit das Wohngebiet inzwischen nah an die Reithalle herangerückt war. Doch es hat sich zum Guten gewendet. Der Standort blieb und mit der Gebäudebrandversicherung konnte der damalige Vorsitzende Harald Neun ein befriedigendes Entschädigungs-ergebnis aushandeln. Unter seiner Leitung wurde alles unternommen, um den Wieder-aufbau in der schnellstmöglichen Zeit durchzuziehen. Dabei wurde die Halle um 5 m verlängert, um das Lagern der Heu- und Strohvorräte deutlich zu verbessern. Nach einem Jahr im August 1992 konnte der Stall wieder bezogen und der Reitbetrieb in der Halle wieder aufgenommen werden.


Veranstaltungen

Mit dem Reitturnier und der Fuchsjagd prägen alljährlich 2 Hauptereignisse das Vereinsgeschehen.

Das Reitturnier

Am letzten Augustwochenende findet seit 1975 jeweils das Gerstetter Reit- und Springturnier statt, das seine Anhänger bis weit über die Kreisgrenzen hinaus findet. Manchmal waren es über 500 Pferde die 1200 Mal in den unterschiedlichen Dressur- und Springprüfungen an den Start gingen, weshalb schon bald das Wochenende allein nicht mehr ausreichte und der Turnierbeginn auf Freitag Vormittag vorverlegt werden musste. Eine derartige Veranstaltung erfordert schon im Vorfeld einen enormen Aufwand an Organisations- und Vorbereitungsarbei-ten, damit am Turnier selbst alles in sportlicher Hinsicht reibungslos ablaufen kann. Stellvertretend seien hier nur die Auswahl der einzelnen Prüfungen, die Erstellung der Ausschreibung, die Verar-beitung der Nennungen und die Ermittlung der Zeiteinteilung für die einzelnen Prüfungen anhand der dafür eingegangenen Meldungen genannt. Aber auch technische Vorbereitung sind notwendig, wie Überarbeitung und Erneuerung der Hindernisse für den Springparcours. Turnier- und Abreiteplatz werden mit Sandzugaben und Nachsaat auf die hohen Anforderungen vorbereitet.

Aber auch die Bewirtung der aktiven Reiter und der erfreulich hohen Zahl an Besuchern – 1981 waren dies über 1500 – muss gut vorbereitet sein. Hier sind vor allem die Partner unserer Aktiven, die Eltern der Voltigierkinder und unsere Jugendlichen gefragt. Beim Turnier 2009 haben sich für die Bewältigung all dieser Aufgaben ca. 100 Helfer und Helferinnen eingesetzt. Der Verein spürt auch alljährlich, dass er mit dieser Mammutveranstaltung an seine Grenzen stößt. Aber was wäre unser Verein, wenn er sich nicht in dieser Form der Öffentlichkeit präsentieren würde, zumal sich auch hier unsere Reiter sportlich vorstellen und mit den Wettbewerbern aus anderen Vereinen sportlich messen können.

Die Fuchsjagd

Noch im Gründungsjahr 1970 fand die 1. Gerstetter Fuchsjagd statt, zu der sich auch eine Reitergruppe aus Stuttgart gesellte. Einmalig die herrliche Landschaft auf unserer Alb mit den Trockentälern, den Wachholderheiden, den Feld- und Wiesenfluren sowie den herbstlich bunten Wälder entlang der Täler. Einmalig aber auch das hervorragende trittsichere Geläuf für die Pferde. Dies sind wohl auch die Gründe dafür, dass diese Jagd soviel Resonanz bei aktiven Reitern aber auch bei pferdebegeisterten Zuschauern fand und sich alljährlich am letzten Sonntag im Oktober wiederholt.
Ab 1985 verschaffte Harald Neun diesen Jagden ein völlig neues Flair. Dank seiner Kontakte zum Internationalen Hunting Club (IHC) fand jetzt erstmals die Jagd mit Paul Koffler und seinen 32 französischen Hirsch-hunden statt. Schon das Stelldichein an der Reithalle mit Pferden und Hunden zur Begrüßung mit den Jagdhornklängen des Bläserchors war einmalig. Eindrucksvoll folgten ca. 50 Reiter galoppierend der jaulenden Hundemeute. Viele Gäste, die dieses Jagdgeschehen vor der herbstlichen Kulisse mit mehr als 100 Fahrzeugen verfolgten, waren einfach nur begeistert. Im Jahr 2009 konnte der Jagdherr Günter Deichsel Jagdreiter und Gäste zur 25. Jubiläumsjagd mit der Hundemeute des Huntingclubs jetzt unter der Führung von Dr. Veitinger aus Ehingen begrüßen. In einem 2. Jagdfeld ohne Hundemeute erhielten die noch weniger im Jagdreiten erfahrenen Pferde und Reiter Gelegenheit sich in dieser Form in fremder Gruppe im Gelände zu bewegen.

Hier und in der weiteren Umgebung sind wir der einzige Verein der diese Parforcejagden mit der Hundemeute veranstaltet. Reiter und Besucher kommen deshalb auch aus nah und fern auf die Gerstetter Alb. Wiederholt konnten wir dabei auch Reiter mit ihren Pferden aus dem benachbarten Ausland willkommen heißen. Begrüßen konnten wir aber auch mehrmals Mitarbeiter von Rundfunk und Fernsehen, die dann in ihren Sendungen „Was ist los im Ländle“ über unsere Jagd berichteten.

Bleibt zu wünschen, dass der Hunting Club und auch wir noch lange in der Lage sind diese beliebten Jagden in der Zukunft zu veranstalten.


Das 25-jährige Vereinsjubiläum

Ein ganz besonderer Höhepunkt in unserer bisherigen Vereinsgeschichte war das 25- jährige Jubiläum 1995. Der damalige Vorstand Werner Schmid und sein Vize, der unvergessene Hubert Lang, haben gezaubert und am 20. und 21.5.1995 mit einem phantastischen Festabend am Samstag und einer alles überragenden Pferdegala am Sonntag, dieses Jubiläum in überaus gelungener Form mit der gesamten Öffentlichkeit gefeiert. Begleitet wurde das Jubiläum von einer Festschrift mit einer beeindruckenden Vereinschronik aus der Feder unseres langjährigen Schriftführers Ulrich Bischoff.


Hubert Lang

Hubert Lang hat als 2. Vorsitzender das 25-jährige Vereinsjubiläum ganz wesentlich mitgestaltet. Er war weitsichtig, kreativ und ein hervorragender Organisator.
Für unseren Verein war er ein großer Hoff-nungsträger. Die Leidenschaft für die Pferde wurde ihm vom Elternhaus mit in die Wiege gelegt. Dies sah man auch am Umgang mit seinem geliebten „Largo“. Doch eine heim-tückische Krankheit überschattete dieses Reiterglück. Hubert kämpfte lang und hartnäckig und hat schließlich doch im Jahr 2002 diesen Kampf im jungen Alter von nur 36 Jahren verloren. Wir sehen ihn hier bei seiner letzten Jagd mit Largo.